Internationale Deutsche Meisterschaft im Kettcarfahren Schlachthof, Wiesbaden, 30.05.2003
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Wiesbadener Kurier vom 02.06.2003:
Von Kurier-Mitarbeiterin Claudia Weiler
"Spin Doctors" holen den Titel zurück
Schwere Beine nach sechs Stunden Rundkurs bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft im Kettcarfahren
Sportliche Spitzenleistungen erbrachten die Kettcar-Teams am Schlachthof. Beim "German Open", der Deutschen Meisterschaft im Kettcar fahren, drehten sechs Teams sechs Stunden lang ihre Runden. Nach 424,6 Kilometern gingen die "Spin Doctors" als erste ins Ziel.
"German Open" im Schlachthof: Wer bei dieser Ankündigung an ein Tennisduell zwischen Rainer Schüttler und Tommy Haas auf dem Schotterplatz hinter dem Wiesbadener Bahnhof denkt, der hat weit gefehlt. Bauzaun, Heuballen und jede Menge rot-weißes Absperrband sind in der großen Halle des Schlachthofs zu einem anspruchsvollen Rundkurs für die fünften deutschen Meisterschaften im Kettcarfahren aufgebaut.
Hier wollen sich die "Spin Doctors" ihren Titel zurückerobern, den sie vor drei Jahren an die "Putzgruppe Lindschied" verloren haben. Und ihr stärkster Fahrer Peter legt dafür am Samstagabend gleich bei der ersten Sprintwertung den Grundstein: mit 22,9 Sekunden Rundenbestzeit sichert er der Mannschaft aus Rüsselsheim die Pole Position für das Sechs-Stunden-Rennen.
Richtig Stimmung kommt in der Halle auf, als die als Außenseiter gehandelte Wiesbadener Mannschaft "elf zwo" um ihren Startplatz kämpft. Mit Posaune und Trommel feuern die 14 Freunde in orangefarbenen T-Shirts im Fahrerlager ihren Spitzenmann an. Ihre Mannschaft nimmt zum ersten Mal an dem Wettkampf teil, aber sie sind vorher Fahrrad gefahren, um die Waden zu straffen. "Wir setzen auf Ausdauer und gute Laune", verrät Vincent die Strategie seiner Mannschaft. Wirklich trainiert hat von den sechs teilnehmenden Mannschaften eigentlich niemand, Ehrgeiz und Vergnügen schmälert das kaum.
"Ja, wir gewinnen", zeigen sich die Favoriten "Spin Doctors" kurz vor dem Start siegessicher. "Mit unserer Erfahrung und den athletischen Vorteilen sind wir einfach unschlagbar", findet Manuel Zagovec. Die Mannschaft aus Studenten und Angestellten gehört inzwischen schon zu den Kettcarlegenden in Wiesbaden. "Das sind alte Hasen, die kennen sich aus", bestätigt auch Boxenchef Peter Beck ihre Favoritenrolle. Der Vorjahressieger und ihre größte Konkurrenz, die "Putztruppe Lindschied", zog ihre Anmeldung noch am Morgen zurück, da sie nur auf fünf Fahrer zurückgreifen konnte. Wahren Sportsgeist bewiesen hingegen die Newcomer "Pedaleure", die sich von den Absagen ihrer Kollegen nicht entmutigen ließen und mit nur drei Fahrern ausdauernd ihre Runden drehten. Die geringe Fahrerzahl kann hierbei auch ein strategischer Vorteil sein, da sie den zeitaufwändigen Fahrerwechsel minimiert. "Der kostet nämlich immer eine viertel Runde extra", erklärt Beck.
Gespannte Ruhe vor dem Start. Kaum ist die Bahn frei gegeben, schon beherrschen waghalsige Überholmanöver die Rennstrecke. Mit bis zu zwölf Stundenkilometern sausen die zu groß geratenen Kinderfahrzeuge an der Zuschauertribüne vorbei. Mit Kinderspielzeug hat das allerdings nichts mehr zu tun - hier geht es um Hochleistungssport. Innerhalb von acht Minuten haben sich die "Spin Doctors" einen Vorsprung von zwei Runden herausgefahren. Doch den wollen ihnen "Pedaleure" und "elf zwo" nicht lassen, sie starten eine Aufholjagd.
Nach einer halben Stunde haben die sechs Mannschaften insgesamt bereits 349 Runden zurückgelegt. Und so geht es weiter, Runde um Runde, Stunde um Stunde, nur unterbrochen von Boxenstopp und Fahrerwechsel. Erbitterte Fahrduelle, kräftezehrende Zwischensprints und eine leidenschaftliche Anfeuerung erfüllen die Halle. Mit der Zeit wird der Kampf um den Sieg auch ein Kampf gegen den Schmerz in den eigenen Beinen, die Erschöpfung ist den Sportlern deutlich anzusehen. Ihre stärksten Fahrer heben die Teams dabei für die Aldi-Sprint- und Milka-Bergwertung auf, die die "Spin Doctors" für sich entscheiden.
Um genau ein Uhr in der Früh' und nach insgesamt 424,6 zurückgelegten Kilometer erklärt Rennleiter Gerhard Schulz das Rennen für beendet. Durchhaltevermögen katapultiert die "Pedaleure" auf den vierten Platz, Außenseiter "elf zwo" ergattert mit 626 Runden den zweiten Platz. Und mit 628 Runden holen sich die "Spin Doctors" den Titel offiziell wieder, den ihnen die "Putzgruppe Lindschied" vor drei Jahren abgenommen hat: Sie sind wieder Deutscher Kettcar-Meister.
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